Was ist das Zweitschönste nach dem ultimativen Kick am Start?
....Richtig!
Ein Nachmittag am Baggersee:
Die Seele baumeln lassen, in der Sonne bräunen, umspielt von einer zarten Brise, die verdiente Entspannung nach den schweißtreibenden Vorbereitungen für eine der berüchtigten »Kolbenfresser-Feten« genießen. Am CD-Spieler: »The Godvater Of Party« – Thomas Meyer höchstpersönlich! Unvermutet aber auch die passende Gelegenheit für ein längst überfälliges Gespräch der ganz besonderen Art. Denn während allmählich die ersten Gäste eintrudeln um sich zu gedämpften Klängen auf die wilde Feier einzustimmen, treiben zwei alte Freunde und eine Maß Bier, erschöpft von den Vorbereitungen wie ins Gummiboot geworfen auf den ruhig plätschernden Wellen inmitten des Sees dahin, um über alte Zeiten zu reden. Schon vor Ewigkeiten konsultierte mich Thomas, ich soll doch etwas zu Papier bringen, das sich für PR-Zwecke verwenden ließe. Die erforderliche Recherche wurde jedoch immer wieder verschoben – nun wollten wir endlich Nägel mit Köpfen machen. Sonnenverwöhnt lauschte ich als bald mit lauernd gezücktem Schreibgerät über angenässtem Papier und staunte nicht schlecht angesichts jener äußerst bewegten Geschichte, die bekanntlich nur das Leben schreiben konnte.
Nungut, mir war es vergönnt als Zeitzeuge diesen Weg des »Kolbenfressers« mit zu verfolgen und wäre ich angehalten, Thomas mit einem Satz zu beschreiben, dann müsste ich wohl nach einer langen Minute andächtigen Schweigens grinsend darüber spekulieren, dass man ihn wohl mit Benzin und Lachgas großgezogen haben muss. Denn schon im zarten Alter von vierzehneinhalb Jahren, als alle Jungs irgendein Knattergerät unter dem Allerwertesten brauchten um bei den Mädels anzukommen nahm auch die PS-Laufbahn des Thomas Meyer ihren Anfang. Genau von diesem Tage an, habe ich ihm wahrscheinlich nie wieder die Hand gegeben, ohne ölige Finger zu bekommen. Sein erstes Opfer war eine Kreidler 2-Gang Automatik und von vorne herein war eines glasklar: »Die Mühle musste bedeutend schneller werden!« Vom Frisieren natürlich nicht die geringste Ahnung wurde kurzerhand der grosse Bruder mobilisiert, denn der als alter Kawa-Experte musste der ja wissen, wo man ansetzt.
Papis alte Bohrmaschine wurde rekrutiert und dem ersten Experiment stand nichts mehr im Wege: Hier ein wenig aufgebohrt, dort ein bisschen abgeschliffen und dann gespannt auf die »Rennstrecke« vor dem Haus um zu sehen, ob der Patient nach gelungener Operation noch am Leben war. Ergebnis der Holzhammeraktion: Alleine bedient lief die Mühle 50, zu zweit sogar 56 km/h, was den mittlerweile versierten PS-Crack noch heute vor offene Fragen stellt. Selbstverständlich blieb es nicht lange bei diesem ersten Versuch! Mit 16 besuchte Thomas auf seiner hochgezüchteten Herkules K 50 RL seine damalige Freundin in Memmingen und wurde auf der Autobahn von einem Polizeimotorrad gestoppt. 124 km/h meldete der Beamte und glaubte zunächst eine 80er vor sich zu haben. Thomas belehrte ihn dann aber eines Besseren und verdankte es vermutlich nur seinen Fachkenntnissen und seinem unverwechselbaren Charme, dass er mit einer Verwarnung davon kam. Zumal die Leistungsfähigkeit des sonst eher unscheinbaren Gefährts den Beamten sichtlich ins Staunen versetzte. Sicherlich hatte Thomas aus dieser Erfahrung gelernt, zumal er mit dem sprichwörtlichen blauen Auge davon kam, doch der Hang zur Geschwindigkeit blieb ihm hartnäckig erhalten.
Noch heute huscht ein smartes Schmunzeln über des Kolbenfressers sonst eher ernsten Züge, wenn er sich an den Tag zurückerinnert, an dem er als Sozius mit der gebrochenen Hand aus dem Gipsverband rutschte, weil er an seinem Bruder festgekrallt von den Gesetzen der Fliehkraft nach hinten gezogen wurde. Dieses physikalische Phänomen ließ ihn nicht mehr los. Er wollte mehr davon und verfeinerte mit geradezu »Mcgyver’schem« Improvisationsvermögen seine Tuning-Methoden, missbrauchte die Straße vor dem Haus als Teststrecke, holte sich in Papis Garage mit öligen Fingern das nötige Utensil und seine Nachbarn hatten ihn aufgrund der permanenten Lärmberieselung so richtig in’s Herz geschlossen. Und kaum kreuzte er mit seiner Herkules am nahegelegenen Baggersee auf, liefen die ersten Rennen gegen neidische Herausforderer Aus manch altem Gegner wurde ein neuer Freund und letztendlich diente ohnehin alles dem Erfahrungsaustausch.
Die ultimative »Kawa-Verseuchung« ereilte ihn dann entgültig nach seiner ersten Fahrt mit des Bruders 650er. Dieser wehrte sich zunächst entschieden gegen die Anektierung seines heißgeliebten, weil gepflegten Feuerofens, gab dann aber Thomas’ flehender Bitte nach und durchlebte schweißgebadet die wahrscheinlich längsten Minuten seines Lebens. Entgegen aller Befürchtungen kehrten Fahrer und Maschine jedoch an einem Stück zurück und der Bruder staunte nicht schlecht über das ihm verwandte Naturtalent. Es sollte dann aber doch noch ein Weilchen dauern, bis man ihn öffentlich auf ein solches Gefährt los ließ (unzählige ältere Mitbürger danken ihm noch heute auf Knien dafür!)
Mit 18 ist man dann dazu befugt, ganz legal und offiziell den Führerschein zu machen. Den großen, versteht sich. Und mit 18 hat man bekanntlich wenig Geld trotz ehrgeiziger Pläne. In Thomas’ Fall handelte es sich dabei um eine luftgekühlte Yamaha RD 250. Zitat:»Ich musste die kleine Giftsau einfach haben!«. Er gönnte sie sich und gab dafür seine letzten Pennies.
Bis zu diesem Zeitpunkt hatte unser Kolbenfresser seinem Spitznamen alle Ehre gemacht: 36 zu Tode gefeilte Kolben gingen bereits auf sein Konto. Doch wo gefeilt wird, fallen Späne und am Ende hat sich die heldenhafte Opferbereitschaft der Kolben doch gelohnt. Fehler dienen nunmal dem Lerneffekt. Seine Lehre als Heizungsbauer beendete er zwar, doch er hatte nie wirklich vorgehabt, diese Karriere weiter zu verfolgen. Thomas lackierte stattdessen viel lieber seine »kleine Giftsau« schwarz-rot-gold-metallic und nachdem sich eine Zündkerze festgeschmolzen hatte, gelang es ihm sogar, den Hobel richtig abzustimmen, was am Ende immerhin 150 km/h brachte. Dabei konnte man es natürlich unmöglich belassen. Der Perfektionist gab keine Ruhe, bis mit 175 km/h das absolute Limit erreicht war. Heute sieht er ein: Es war zuviel für das Fahrwerk Zitat: »Die hat g’schwanzlt wia’d Sau!« – Zitat Ende. Eine der vielen Lehren, die er aus solchen Erfahrungen zog, wurde für ihn zum Leitsatz für Leistung: »Kubik ist durch nichts zu ersetzen!«
Mit 19 verschlug es ihn kurzweilig in’s Enduro-Lager. Und wenn er mit seiner CR 500 in diesen Tagen nicht gerade »Dreckbollen fräste«, machte es ihm ein Höllenvergnügen, die aufgemotzte Maschine im 4. Gang auf dem Hinterrad zu fahren. (reine Wettbewerbs-Motocross, 104 kg, 72 PS, nach dem 6. Anlauf mit TÜV!) – Kommentar: »Man gönnt sich ja sonst nix, normal fahren kann jeder!«
Mit 21 Jahren ging dann endlich ein Traum in Erfüllung: Omis und Opis aufgepasst: Thomas erwarb eine GPZ 1100! Und das hieß automatisch »Kawa-faaaaaaah’n!« Die erste Euphorie wich dann aber schnell den Tatsachen, denn wie sich rasch herausstellte, hatte er wohl die Katze im Sack gekauft und es steckt jede Menge Arbeit in der Mühle: Das dritte Pleul hatte den Motor förmlich perforiert und es schien zunächst alles hoffnungslos verloren. Doch weil echte Kolbenfresser niemals aufgeben, entschied er sich für die Flucht nach vorn: Die Rakete wurde mit den Jahren total neu aufgebaut und modifiziert: Die Kanten in den Kanälen wurden entfernt, der Luftfilter verändert, ein fetteres Gemisch, eine andere Nockenwelle, dazu ein Flachschiebervergaser und weil das Auge mitisst eine gehörige Prise Chrom! Das Ergebnis schien zufriedenstellend, wenngleich ausbaufähig: Aufrecht sitzend und am »Ape-Hanger« festgekrallt, ritt er das Baby mit 239,6 km/h (nach programmiertem Fahrradtacho). An diesem Geschoss übte er die folgenden fünf, sechs Jahre weiter und fand sogar ein wenig Anerkennung für seine Mühen durch die Erwähnung in einemlokal erschienenen Fachartikel.
In Sinsheim erlag er 27 Jahre alt dem „Dragster-Fieber“. Schlüsselerlebnis: Ein kleines Baby mit riesigen »Micky Mouse«-Ohrschützern inspirierte ihn angesichts dessen unbekümmerter Fröhlichkeit inmitten des Krachs, des Gestanks und der tieffliegenden Gummifetzen. Kommentar: »... Ja, wenn man kleinen Kindern auf die Art eine so große Freude machen kann!« Letztendlich war es dann aber doch wohl eher die verlockende Aussicht, endlich an die ultimativen Grenzen des Machbaren zu gehen, die unseren Kolbenfresser dazu bewog, sich vor Ort so richtig schlau zu machen.
Die Kontaktaufnahme zum Fahrerlager erwies sich zunächst als schwierig. Nach eigenen Angaben erntete er zunächst nur Arroganz und Unverständnis. Man nahm ihn nicht für voll und das kann ein Kolbenfresser gar nicht leiden. Ausnahme bestätigen aber bekanntlich die Regel und so traf er auf Andreas Pinegger Junior Der zeigte sich von Thomas’ Interesse angetan, wartete mit wertvollen Tips auf und übergab einem überglücklichen Kolbenfresser am Ende seine Visitenkarte. Die Tür zum ultimativen PS-Kick schien endlich aufgestossen zu sein. Doch schon wenige Wochen später folgte der lähmende Schock: Andreas Pinegger Junior war im Strassenverkehr tödlich verunglückt. Die Tragik dieser Nachricht traf Thomas wie ein Hammerschlag. Dahin schien die Chance, aus der Traum! Aber vor allem anderen empfand er tiefe Anteilnahme am zu frühen Tod eines sympathischen, gleichgesinnten Menschen. Andreas Pinegger Senior schloss die Tür zur Werkstatt seines Sohnes für immer, verwies den nicht minder erschütterten Kolbenfresser an einen von Andreas’ Freunden, der Thomas schweren Herzens dringend benötigte Ersatzteile und später sogar die ganze Maschine seines verunglückten Freundes verkaufte. Thomas hingegen versprach die Chance zu nutzen und dadurch auch das Andenken an Andreas am Leben zu halten Ein seltener Augenblick von Mensch zu Mensch, den sicher keiner der beiden je vergessen wird.
1 Jahr später traf man dann, wiederum in Sinsheim, auf Norbert Kuzera. Von ihm erhielt Thomas vor allem gute Tips und die Chance, sich mit Tuning-Teilen einzudecken. Der Kolbenfresser ging an’s Werk! Angetrieben von dem Verlangen, jeden Joghurtbecher einmal ordentlich in den Hintern zu treten, arbeitete er unentwegt an der Perfektionierung seiner Maschine. Dabei benötigte er selbstverständlich ständig möglichst günstige, gebrauchte Teile und so kam es, dass er sich eines Tages an den erfahreneren Harald Prokop wandte. Harald ließ sich nicht lumpen und bot Thomas eine komplette Maschine zum Kauf an. Nach kurzem Zögern nahm Thomas das Angebot an und verausgabte sich finanziell über das erträgliche Maß hinaus, was zur Folge hatte, dass ein ganzes Jahr des Neuaufbaus vergehen sollte, bis ein erster Testlauf auf der Tagesordnung stand. Diesmal wollte er nichts überstürzen, sondern lieber mehr Zeit auf die Vorbereitung verwenden, um dann im Rennen voll loslegen zu können. Thomas war scharf wie Peperoni, wollte nicht nur mitfahren, sondern siegen. Doch wie das Leben nunmal so ist, lief nicht alles gleich wie am Schnürchen und er selbst gibt heute freimütig zu, dass manche Mark hätte gespart werden können, wenn er auf den Rat der Erfahrenen gehört hätte, anstatt immer konsequent seinen eigenen Kopf durchzusetzen. Bei all der Einsicht übersieht er aber nicht die andere Seite dieses Weges denn er wollte eigene Ideen ausprobieren und dazulernen. So war zum Beispiel die Funktionalität der selbstgebauten, modifizierten Einspritzanlage lange Zeit nicht in den Griff zu bekommen. Immer wieder Handicaps, Rückschläge, Niederlagen, kostspielige Änderungen und Modifikationen.
Im Herbst 1997 war es dann soweit, in Mössling die ersten Rennerfahrungen zu sammeln. Zwar nahm den Kolbenfresser damals noch niemand so richtig für voll und man machte keinen Hehl daraus. Probleme mit der selbstgebauten Einspritzanlage taten ihr Übriges, um die Euphorie in Grenzen zu halten. 1998 trat er dann in Chambley an, um seine Rakete zu testen. Es ging ihm nicht um’s Siegen, sondern nur um’s Abstimmen. Von dem Chambley zu eigenen, fragwürdigen Wetter einmal abgesehen und dem Umstand, dass er aufgrund diverse Konversationsprobleme keinen Ausdruck erhielt, schien alles recht gut zu laufen Zumindest bis zum Reifenschaden.
Thomas ließ nicht locker, sondern analysierte alles noch einmal mit peinlicher Genauigkeit. Letzte erforderliche Modifikationen wurden lokalisiert und in Angriff genommen. Alles schien gebongt für das nächste große Rennen. Doch dann kam wieder ziemlich dick und unverhofft, denn die abschliessende Probefahrt endete in einem Fiasko: Motorschaden! Paralysiert sah sich Thomas die Sache an und drehte sich als Nichtraucher wortlos eine Zigarette. Jedem der anwesenden Kameraden war sofort klar, dass es schlimm stehen musste. Normalerweise hätte so eine Sauerei einen ordentlichen Wutausbruch zur Folge gehabt. Wenn der Kolbenfresser sich aber stattdessen erst mal eine dreht, dann versucht er ruhig zu bleiben Abschließende Diagnose:Die Nokkenwelle hatte sich wohl aufgrund eines Haarrisses in sieben Einzelteile zerlegt, die Pleul waren krumm, das Motorgehäuse total hinüber und alle acht Ventile hatten sich ebenfalls verabschiedet. Vorsichtige Schätzung: 8-10 Mille Schaden. Zunächst Resignation auf ganzer Linie.
Jeder Andere hätte spätestens jetzt die Flinte in’s Korn geworfen, doch Thomas blieb cool und ging mal wieder auf’s Ganze. Er sparte sich jede Mark vom Mund ab, verzichtete komplett auf sein heißgeliebtes Biken und zerlegte stattdessen seine Straßenmaschine um deren Teile zu verwenden. Tag um Tag bis spät in die Nacht wurde geschraubt, gehämmert, gefräst und gebastelt.
Im Herbst 1998 traf man sich erneut in Mössling um endlich ein paar Lorbeeren zu ernten. Trotz massiver Probleme mit der Druckluftschaltung erreichte des Kolbenfressers Rakete ohne Lachgas immerhin Platz 4. Doch das war nicht weiter schlimm, denn statt Ruhm und Glorie kam es zur Erfüllung eines langgehegten Wunsches: Thomas traf auf Werner Brückle, dessen Erfolge er bereits seit nahezu 10 Jahren aufmerksam verfolgte. Sein großes Vorbild war natürlich bereit zur Seite zu stehen. Aus diesem ersten Treffen erwuchs eine dicke Freundschaft, die Thomas weit mehr als nur wertvolle Tips und Tricks einbrachte. Brückle half Thomas entscheidend dabei, in seiner Klasse mitzufahren und dabei Geld zu sparen. Wenn gleich Thomas heute entschieden großen Wert darauf legt, hier ein und für alle Mal klarzustellen, dass Werner Brückle ihm nicht den ganzen Motor baute, sondern lediglich lediglich als Ratgeber fungierte. Beim ersten Besuch staunte Brückle nicht schlecht, denn Thomas hätte mit den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln 4 leistungsfähige Motoren bauen können, ohne einen einzigen wirklich fertig hinzustellen. Also wurde gefachsimpelt und ausprobiert, bis der Tag kam, an dem Thomas mit Werner auf den Prüfstand ging. Ergebnis: Nach der Feineinstellung kamen ohne Lachgas immerhin 152 PS auf das Hinterrad. Thomas lebte auf, wollte unbedingt noch eigene Modifikationen einbringen und war motiviert und inspiriert wie lange nicht mehr. Während solcher Hochphasen trifft man ihn stets quitschvergnügt schraubend in seiner Werkstatt. Und wenn man ihn gar dazu bringt den Schraubenschlüssel wegzulegen, dann kann man mit diesem Mann sogar »Pferde klauen«!
Nach all den Fehlschlägen und Schwierigkeiten schien nun doch das langgehegte Ziel in greifbare Nähe zu rücken. Hätte Thomas die professionellen Tips seiner Teamkollegen uneingeschränkt angenommen, dann wären etliche Pannen zu vermeiden gewesen, was ihm im wohl noch mmer zu Herzen geht angesichts der Nachdrücklichkeit, mit der er seine Schwächen zugibt. Er musste unbedingt seinen Dickkopf durchsetzen.Um seinem Dragster-Dasein ein echtes Fundament zu geben trat er in den »Bavarian Dragracing Club« ein und begann sich im Fahrerlager langsam wohler zu fühlen.
Nur etwa eine Woche nach den guten Vorzeichen von Mössling hieß es: Start frei für Hockenheim. Thomas beschloss, sein Lachgas erstmalig unterGefechtsbedingungen zu testen. Nach 2 Qualifikationen auf Platz vier. Im Fahrerlager des Kolbenfressers warteten alle gespannt auf das Rennen: Beim Start wollte der zweite Gang nicht rein! Dennoch ging Thomas 20 km/h am Ende schneller über die Ziellinie als sein Gegner.Zitat:»Wäre die Piste nur 10 Meter länger, dann hätte ich gewonnen!« Am Ende reichte es immerhin auf Platz 5. Ein Sponsor hatte sich bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht finden lassen. Und das Budget war nach wie vor knapp. Also sollte wieder ein Jahr vergehen, bis Thomas zum nächsten Mal seinen Feuerofen bestieg.
Ebenfalls in Hockenheim ging es nun dieses Jahr vor allem darum, einen repräsentativen Platz herauszufahren, um dann die Suche nach einem Sponsor zu erleichtern. Bei den Qualifikationsläufen am ersten Tag sorgte der Kolbenfresser bereits für Furore, denn es gelang ihm zielstrebig seine Zeit von 9,8 auf 9,4 Sekunden zu steigern. Die Anerkennung ließ nicht auf sich warten, doch Thomas winkte ab, denn er war mit der Leistung seiner Maschine noch immer nicht zufrieden. Der letzte Kick hatte ihm gefehlt. Und den fand er dann beim Rennen. Er meinte es zu gut mit der Zugabe von Lachgas und hatte Mühe die Maschine am Boden zu halten. Quasi auf Knopfdruck verließ des Kolbenfressers Vorderrad den Asphalt und ging in die Senkrechte. Ein »Wheely« der Spizenklasse: Gas voll offen lassen, Fuss auf der Bremse und der Rest ist reine Balance und Nervensache. Thomas’ Gegner zog nebenan den Kopf tief ein. Der Notschalter im Vergaser bereitete der Zirkusvorstellung ein schnelles Ende, die Maschine schnappte schlagartig auf den Boden zurück, der zweite Gang fiel raus und das Rennen war gelaufen. Am Ende dann aber dennoch die zufriedenstellende Rekordzeit von 9,1 Sekunden. Platz 2 der Qualifikation und in der Endausscheidung 6. von 15 Teilnehmern. Dieses Ergebnis konnte sich wohl sehen lassen und der Meister zeigte sich zufrieden. Auf die Frage des kopfschüttelnden Auditoriums, ob das mit dem Wheely nun der rechte Kick geworden sei, meinte er, es sei O.K. gewesen, wenn gleich ihm noch ein gutes Stück Erfahrung fehle. Eine ehrliche Stellungnahme.
Befragt man heute den Kolbenfresser nach dessen Zukunftsplänen, wird er nachdenklich. Sein Siegeswille ist sicher ungebrochen, doch in einer materiellen Welt wie der unseren kommt das größte Genie irgendwann in eine stille Phase, in der man sich sammelt und der materiellen Welt ins Auge schaut: Der nächste erfahrene Crack, den Thomas konsultieren kann um wichtige Probleme zu lösen ist 160 km entfernt. Von den »Spezialisten« vor Ort erntet er bei spezifischen Anfragen stets die gleichen Antworten: »Keine Ahnung!«, »Da kenne ich mich nicht aus!« oder »Das weicht vom Normfahrzeug ab!«. Bleibt also nur ausgiebig »McGyver« gucken und ein eiserner Wille zu hartnäckigem Improvisieren. Dank wertvoller Tips von Werner Brückle, Peter Bossert und Ernst Dietrich ist immerhin die Schaltung jetzt unter Kontrolle, doch ein weiteres und bedeutend gewichtigeres Handycap: Die ewigen Kosten, Kosten, Kosten...
Die mittlerweile hochgezüchtete Technik der Maschine ist immer noch nicht ganz einfach in den Griff zu bekommen. Vor allem nach Sponsoren wird derzeit kräftig Ausschau gehalten, denn finanzielle Engpässe sind an der Tagesordnung. Ist ein Problem gelöst, warten zwei neue darauf, überwunden zu werden. Des Meisters Strategie der Geduld: »Wenn Du ein Ziel vor Augen hast, dann gehe den geraden Weg und räume alle Steine beiseite, die Du tragen kannst. Kommt ein scheinbar unüberwindliches Hindernis, weiche diesem aus ohne Kraft zu verschwenden, suche zwei Alternativen und nehme diesen Umweg in Kauf!« Klingt ganz einfach, isses aber nicht!
(Ein ehemaliger Freund)